Bali Silent Retreat

Seit siebenTagen nun bin ich Gast im Bali Silent Retreat. Was ist das? Das ist ein Ort in Bali fern der so lauten, chaotischen groesseren Staedte. Die naechstgrosse Stadt hier in der Naehe ist Ubud, von der ich auch hier her gekommen bin und von abgeholt wurde. Es ist nicht so, dass es hier nichts in der Naehe gaebe, aber das was es gibt sind schlichte, einfache, sehr landwirtschaftliche gepraegt kleine balinesische Ortschaften. Nicht viele Touristen kommen hier her, was man an den vielen neugierigen Blicken sieht, wenn einer von uns aus dem Retreat mal eine kleinen Spaziergang macht und bei den Einheimischen vorbeischaut.

Es ist wirklich sehr einfach hier und die Menschen arbeiten hart. Erst heute morgen habe ich einen 2.5 stuendigen Spaziergang mit Sang Tu, einem der Angestellten hier, gemacht, der uns an den riesigen Reisplantagen, durch den Dschungel und durch kleine MiniDoerfer fuehrte. Wir starteten um 6 Uhr morgens, und bereits um diese Zeit waren viele der Balinesen bereits auf den Beinen. Sie bereiteten ihr Vieh fuer den Tag auf dem Acker vor, sie schleiften ihre landwirtschaftlichen Geraete, trugen bereits die ersten Saecke einer Ernte nach hause und vieles mehr. Manche machten muede Gesichter, doch vielen war trotz der fruehen Plackerei ein Laecheln ins Gesicht geschrieben als sie uns sahen. Der Weg durch die Doerfer und den Dschungel war gesaeumt von Unmengen an schoenen Pflanzen, Baeumen und Blumen. Es war sehr bunt. Und ausserdem, so hatte es den Anschein, wuerde hier in Bali wirklich alles wachsen. Ich habe so viele verschiedene Fruchtpflanzen gesehen. Es gab Ananas, Bananen, Mangosteen, Durian, Papaya, Kokosnuesse, Guava und wieder: so vieles mehr. Alles wuchs mehr oder weniger wild und lud direkt zum Pfluecken ein. Wir sahen auch sehr viele schoene kleine und grosse Tempel, viele Hausgaerten und viele hinduistische Opfergaben, die in Form von kleinen Schalen von jedem vor seine Haustuer gelegt wurden. Auf unserem Rueckweg kamen wir dann noch an einer der sogenannten ‘Hot Springs” vorbei, das sind kleine Seen, die mit Wasser aus dem hier ansaessigen Vulkan gefuettert werden, dementsprechend warm sind und zum baden einladen.

Aber wie bin ich letztlich hier gelandet und was ist Bali Silent Retreat?

Mein Reisen durch Bali war anfangs mit meiner Reisbekanntschaft Doro aus dem Westerwald in Deutschland von statten gegangen. 4 Tage haben wir miteinander verbracht und vieles zusammen erlebt. Wir haben uns zusammen Kuta, die Partyhochburg auf Bali gegeben, wir haben eine Eintagestour zu der Insel Nusa Lembongan gemacht und haben sie den ganzen Tag mit geliehenen Mofas abgefahren und wir hatten uns mal fuer einen Tag einen Fahrer gemietet und haben so beruehmte Tempelanlagen und die groesste Reisfeldplantage der Insel besichtigen koennen. In Ubud aber dann haben wir uns getrennt.

Fuer mich stand schon laenger fest, dass ich hier in Bali die Gelegenheit nutzen moechte und zumindest fuer einige Tage ein Meditationsretreat machen moechte. Also ein Ort, der sich rein dazu verschrieben hat Ruhe zu schaffen und damit Gelegenheit bietet sich einmal nur mit sich selbst beschaeftigen zu koennen. Und darueber hinaus stehe ich nun einmal sehr auf Meditation, das ist ein integraler Bestandteil meines Lebens geworden. Also habe ich ein wenig recherchiert und bin auf diesen Ort hier aufmerksam geworden. Ich habe fuer vier Naechte Aufenthalt gebucht und mich vom Fahrer des Retreats abholen lassen. Und auf der Fahrt merkte ich, dass es wirklich um einiges weiter von Ubud entfernt sein sollte als ich angenommen hatte vorher. Wir fuhren fuer ganze 1.5 Stunden und waren letztendlich wirklich fern jedes Tourismus.

Im Retreat angekommen erhielt ich erst einmal eine Einfuehrung von einer der netten balinesichen Angestellten hier. Silence, also Ruhe, wird hier gross geschrieben. Saemtliches soziales Reden mit anderen Gaesten soll auf dem Gelaende bitte unterlassen werden, lediglich ausserhalb des Retreatgelaendes darf miteinander geredet werden.

Dann wurde ich durch das dreistoeckeige Hauptgebaeude gefuehrt. Hier wird taeglich ein vegetarisches Buffet zur Verfuegung gestellt. Es gibt ein Fruehstuecksbuffet, Mittags und Abendbuffet. Das Essen wird zu 75% aus indonesischen Ingredienzen zubereitet und ein grosser Teil davon kommt sogar aus dem eigenen Gartenanbau. Ich war absolut geflasht von dem Essen was uns bereitet wurde, es war einfach superklasse. Dieses Essen laesst einen locker Fleisch vergessen, ich wusste nicht, dass vegetarische Kueche so gut schmecken koennte. Es gab zb mal Tempe-Lasagne, es gab zum Fruehstueck haeufig lecker zubereitete Eier von den Gaensen der Nachbarfarm, es gab mal Tomaten-Feta Moussaka, es gab Auberginenauflauf, es gab immer excellente und megafrische Salate den ganzen Tag ueber, es gab jeden Tag frischgebackenes Brot, es gab leckerer Fritta-Auflaeufe, French Toast, selbstgemachte Bratlinge und Hashbrowns, es gab immer eine Art von Reis, manchmal weisser, manchmal roter manchmal schwarzer und daraus wurden haeufig die leckersten Puddinge gezaubert. Das Muesli zum morgen ist auch immer frisch zubereitet, natuerlich gab es auch viele Suppen, mal Kuerbis, mal Papaya, es wurden Dattel-, Erdnuss-, Sesam, Kakaokekse gebacken, man konnte sich seinen eigenen Kraeutertee zubereiten (Kraeuter natuerlich auch aus dem Garten, es gab  leckeres doppelt gefiltertes (heiliges) Wasser aus dem nahegelegenen Tempel zu trinken (und zum Tempel kam er vom Vulkan geflossen), frisch gepresste Saefte, haeufig aus Wassermelone, es gab karamellisierte Bananan, Bananenpfannkuchen mit Honig-Palmenoel, und noch so viel mehr. Die Kueche war der absolute Oberhammer. Da Essen den ganzen Tag ueber verfuegbar ist vie Buffet, kann man seinen Tag enspannt verbringen ohne sich um so etwas wie feste Essenzeiten gross sorgen zu muessen.

Neben der “Speisekammer” gab es im Hauptgebaeude im zweiten Stock eine Bibliothek und viele Tische zum Speisen. Alle Tische befanden sich an den Aussenseiten des Raumes und so hatte man waehrend des Essens einen schoenen Ausblick ueber die gesamte Anlage. Und wenn man von dort oben heraus schaute, dann sah man die Reisfelder des Gelaendes, den kleinen See, einen Ueberblick ueber die Gaerten, viele Bananen- und Papayabaeume, man sah die noch sehr junge hauseigene Kuh, die vergnuegt durch die Gegend springt (kein Witz) und man sah natuerlich den Himmel, der meist sehr wolkenbehangen ist, nur manchmal kam die Sonne ein wenig mehr durch.

Das Wetter ist typisch fuer diese Gegend in Bali, wir befinden uns direkt im Landesinneren und auf erhoehtem Terrain. Interessanterweise hat das Wetter aber eine eigene Art positiv auf das Erlebnis im Retrat abzufaerben. Es ist sehr konstant wolkig, es gibt nicht so viele Wetterwechsel und es ist die meiste Zeit wirklich sehr ruhig, die Wolken scheinen alle Geraeusche deutlich abzudaempfen. Und dieses ruhige Dauerwolkenwetter hatte auf mich einen sehr beruhigenden Einfluss. Wenig Veraenderung, dafuer ein dauerhaftes ruhiges Stimmungsbild. Und trotzdem war es nie zu heiss oder zu kalt. Jeden Tag konnte ich in kurzen Hosen, luftigem Hemd und Flip Flops umherlaufen, ich musste mich nie gross um die Garderobe sorgen.

In diesem zweiten Stock des Gebaeudes liess es sich herrlich aushalten. Hier halten sich die meisten Gaeste auch die meiste Zeit ueber auf und luemmeln auf dem Boden auf Matratzen und Sesseln und lesen oder trinken Tee oder schauen einfach auf das Gelaende hinaus. Das habe ich selber auch haeufig gemacht.

Nachdem ich also einen ersten Eindruck von diesem ruhevollen Ort erhalten hatte, wurde ich zu meinem Schlafort gefuehrt, dem Maennerschlafsaal. Auf dem Weg dorthin kamen wir an dem Grossteil des Anwesens vorbei, alles ist mit Steinpfaden verbunden und neben den Pfaden befinden sich die schoensten und farbenfrohesten Blumen. Doch nicht nur schoene Pflanzen sollte man dort sehen. Auch kleine armlange Echsen, die sich in der Sonne geaalt haben und bei unserem Naeherkommen entflohen, kleine suesse Maeuse, die in der Erde buddelten und auch kleine Schlangen, die ebenfalls schnell fluechteten ,wenn man ihnen naeher kam, saeumten unseren Weg. Nach dem dritten Tag wusste ich so ziemlich genau wo die Echsen, Schlangen und Maeuse ihre Stammplaetze hatten. Daher naeherte ich mich ihnen langsam, um sie etwas naeher inspizieren zu koennen, bevor sie sich letztendlich verdrueckten :)

Wir kamen dann an der kleinen Teichgegend vorbei (Seerosen ueberall), dann kamen wir an den Kraeutergaerten vorbei, am Steinlabyrinth und am Meditationszelt.

Mein Schlafraum war zum einen schlicht, zum anderen schoen und funktionell eingerichtet. Es gab acht Betten, nur drei, inklusive meinem, waren belegt. Beim Duschen in Freiluft konnte man auf die gruenen Reisfelder der Nachbarn schauen. Nachts konnte man dem Regen auf das Dach lauschen und in der Mitte des Schlafraumes, gab es eine weitere gemuetliche Rumluemmelgegend. Es wurde fuer den Besucher an wirklich alles gedacht, sogar ein Moskitonetz wurde uns gegeben, dass wir ueber unser Bett werfen konnten. Auch AntiMoskito-Lotion und ein Schlafkimono, fuer den der moechte, wurde zur Verfuegung gestellt.  Ich konnte sehen, dass hier alles noch sehr sehr neu ist, alles war in Top Verfassung und glaenzte nahezu. Es wurde darauf hingewiesen, dass keinerlei Speisen oder Suessgetranke mit in den Raum genommen werden sollte. In der Vergangenheit hatten das Menschen wohl gemacht und die Folge waren eine Ameiseninvasion und dann eine Maeuseinvasion gefolgt von: Schlangen, die auf Maeuse scharf waren natuerlich.

Abschliessend kann ich selber sagen, dass stoerende Tiere oder Insekten hier prinzipiell nie ein Problem waren. Mein Eindruck war, dass sie einen komplett alleine lassen, wenn man sie nicht lockt oder provoziert. Ich hatte den groessten Spass daran der Tierwelt hier zuzuschauen bei ihrem Treiben, dabei aber nicht einzugreifen. Dabei konnte ich wirklich tolle Sachen sehen.

Wie einer der Angestellten hier einmal korrekt sagte: “The animals tell you a lot here. But they dont speak to you.”

Insgesamt kann ich sagen, dass wirklich an alles gedacht wurde hier im Retreat und alles sehr sehr sauber war. Dafuer dass dieser Ort sich inmitten so voller Natur befindet, war ich ueberrascht zu sehen wie ordentlich und sorgsam sich hier alles trotzdem praesentiert.

Im Prinzip kommen nach der personelichen Einweisung und dem Studieren einiger Hinweisblaettern keine Fragen mehr auf, so dass man von Tag 1 bis zur Abreise nicht mehr zu sprechen braucht, wenn man nicht moechte. Meine Mitbewohner hielten es ebenfalls mit dem Schweigen und waren sehr nett. Wir nickten uns immer freundlich zu, wenn wir uns sahen. Das gleiche passierte mit anderen Gaesten, wenn man sich traf auf dem Gelaende. Alle schienen sehr entspannt und relaxt hier.

Nun es gab ein paar Ausnahmen, wenn dann doch mal geredet wurde – wenn man denn wollte. An einem Abend hatten wir eine Gespraechsrunde mit dem Chefkoch, der urspruenglich Hollaender ist und hier seit einem Jahr arbeitet. Er hat nateurlich viel Lob von allen fuer sein Essen bekommen. In der Runde hat sich jeder ein wenig vorgestellt, dazu gabs Tee und Simon, der Koch, lenkte das Gespraech ein wenig in die Nahrung/Food Richtung. Daraus entwickelte sich ne nette Diskussion und man lernte endlich auch mal die eigentlichen Personen hinter den vielen Gesichtern hier kennen. Ich war die ganze Zeit immer sehr neugierig etwas mehr von den anderen Gaesten zu erfahren.

Ansonsten gibt es den Tag ueber Kurse, an denen man freiwillig teilnehmen konnte. Zum einen Meditations- und zum anderen Yogakurse. Dort gibt es die ein oder andere praktische Anleitung und man kann dann auch ein wenig mit den Lehrern darueber reden, aber man kann auch einfach weiter seine Stille halten. Man sieht also, dass die Stille hier eher gebotsartig eingehalten wird, es gibt keine Straight Edge Attituede hier, was mir persoenlich sehr gefaellt.

Alles bietet einen Rahmen, in dem man hervorragend herunterfahren kann und viel Zeit fuer sich selbst hat und ein Minimum an Ablenkung. Ob man es glaubt oder nicht, aber fuer mich gingen die Tage doch erstaunlich schnell vorbei, noch schneller sogar, als schon ein paar Tage ins Land gezogen sind fuer mich hier und ich eigentlich schon aller hier sehr gut kannte. Ein typischer Tag sah fuer mich so aus:

- 5:45 Aufstehen und gemeinsame Morgenmeditaion mit anderen Gaesten und Lehrer um 6 Uhr im Freiluftmediationszelt.

Dabei hoerte man langsam die Grillen und Froesche ruhiger werden und die Voegel und Haehne lauter werden. Waehrend der Meditation ging dann langsam die Sonne hinter uns auf, umgeben war das Zelt von einem Reisfeld und vielen gruenen Straeuchern, in der Mitte zwischen uns leuchtete eine einzelne Kerze und es war eine gemeinsame konzentrierte Stille zwischen uns. Die Meditation sorgte fuer einen harmonischen Start in den Tag. Anschliessend konnte man sich dem Morgenyoga anschliessen oder wie ich:

- von 6:45 bis 8 Uhr ne zweite Runde Schlaf nachschieben ;-)

- ab 8:30 startete das leckere Morgenbuffet und danach verbrachten viele den Morgen damit oben in der Bibliothek etwas zu lesen, waehrend ihres Morgentees

- zwischen 10-15:30 Uhr machten ich und jeder andere das beste aus seiner Zeit.

Haeufig suchte ich mir einen Platz im Garten oder am Reisfeld oder am kleinen Teich und trank dort in aller Ruhe meinen Tee. Dafuer fuellte ich meine Thermo mit nem Liter heissen Wasser, entschied mich fuer einen meiner mitgebrachten Tees und dann liess ich mich auf das Schmecken des Tees und das Beobachten der Landschaft und der Tiere ein. Dabei konnten locker zwei bis drei Stunden vergehen und dabei kamen mir immer die produktivsten und kreativsten Gedanken.

Alternativ konnte ich einen Spaziergang durch den Dschungel machen. Es wurde hier ein Pfad durch den nahegelegenen Dschungel angelegt, der zu einem Bach mit hinduistischem Bachschrein fuehrt. Es wird aber zur Vorsicht geraten, man sollte immer einen der langen Bambussticks mitnehmen um zum einen die haeufig vorkommenden Spinnenweben aus dem Weg zu wischen und zum anderen um ihn zu benutzen um waehrend des Laufens heftig auf den Boden zu klopfen. Denn es gab dort augenscheinlich die ein oder andere Begegnung schon mit einer 2m langen Schlange, die allerdings als menschenungefaehrlich eigestuft wurde. Auch ein Ameisenbaer wurde schon gesichtet. Bei meinen Expeditionen ging ich aber leider immer leer aus an Tiersichtungen ;-(

Alternativ kann man sich jeden anderen Ort suchen um dort ein wenig zu meditieren, nachzudenken oder was was auch immer wonach einem ist – simples Entspannen geht auch :). Eine weitere Moeglichkeit die Zeit zu verbringen ist ein Gang durchs Labyrinth. Dabei handelt es sich um kein Heckenlabyrinth, sondern um ein Labyrinth, dass mit Steinen abgesteckt wurde. Diesem soll man bedaechtig und achtsam zur Mitte folgen soll und dann wieder heraus. Bevor man das Labyrtinh betritt, kann man sich eine Frage stellen oder ein Problem benennen und es waehrend seiner Wanderung im Hinterkopf behalten. Manchmal kommt man der Loesung ein Stueck weit naeher, wenn man das Labyrinth verlassen hat. Denn auf dem Weg durch das Labyrinth macht man viele Richtungswechsel, die einem helfen koennen das Gedankenobjekt unbewusst durch eine andere Perspektive zu beleuchten. Angeblich habe das auch damit zu tun, dass die Gehrinhaelften dabei wechselhaft angesprochen werden. Diese Labyrinth-Meditationstradtion gehe angeblich bis auf die Aegypter zurueck.

Ich fuer meinen Fall konnte zumindest aus einem Labyrinthgang wertvolle Erkenntnisse ziehen. Natuerlich muss man sich darauf einlassen, kann mir vorstellen, dass das fuer viele Menschen nichts ist, aber ich fands persoenlich top.

Tja ansonsten gibts nicht viel zu tun hier:) Ich habe an einem Tag morgens mal einen gefuehrten Spaziergang durch die Reisfelder gemacht, wie schon weiter vorn beschrieben und an einem anderen Tag habe ich eine 1.5 stuendige balinesische Massage in Anspruch genommen – beides war klasse.

- 15:30 gibt es wieder eine gemeinsame Meditationssession (vorher gibts Yoga, fuer die die moegen)

-16:30 beginnt das Abendbuffet bis 18 Uhr, danach gibts Kekse und Snacks bis 20 Uhr. Nach dem Essen wird meist wieder in der Bibliothek gefaulenzt und sobald es dunkel wird, gegen 19Uhr, gehen die meisten Leute in ihre Schlafsaele, ihr Einzelzimmer oder gar in ihren eigenen Bungalow, je nachdem worin sie residieren tun.

- ab 20 Uhr bietet es sich eigentlich an die Sterne anzuschauen und ich habe es mehrere Male versucht. Leider nur haben die Wolken hier auch Nachts bestand, so dass ich meistens nur einen kleinen Blick auf sie erhaschen konnte. Daher verbrachte ich die meiste Zeit im Schlafsaal und arbeitete noch ein paar Zeilen in meinem jeweiligen Buch ab. Ich habe mindestens 3 Buecher hier in kuerzester Zeit beenden koennen, was zeigt die viele Zeit, die man hier zur Verfuegung hat. Ich fands herrlich.

Ich habe meinen Aufenthalt hier jeden Tag immer wieder um einen weiteren Tag verlaengert, weil es mir hier so gut gefiel. Mittlerweile bin ich bei tag sieben angelangt. Die Ruhe hier ist einfach fantastisch. Der Gedanke an die ganzen lauten Motorraeder und den gesamtem verrueckten Verkehr in Bali  hat mich abgeschreckt und mir meine Ueberlegung Bali in den naechsten Tagen noch ausfuerhlich zu bereisen, abgenommen. Ich werde die verbleibenden Tage versuchen ruhig in Ubud und Kuta zu verbringen und am Ende der Woche wieder zurueck nach Darwin, nach Australien reisen.

Denn gluecklicherweise habe ich nun auch endlich mein AU Visum endlich erhalten und brauche mir um moegliche Rueck-Einreiseschwierigkeiten keine Sorgen mehr zu machen.

Dieses Bali Silent Retreat ist noch sehr neu und feiert uebermorgen erst sein einjaehriges Bestehen. Ich bin froh diesen Ort kennengelernt zu haben und werde ihn weiterempfehlen, das ist Gewiss.

Categories: Home | Leave a comment

Der Norden Australiens

Die letzten Tage waren fuer mich vollgepackt mit Natur und Wildlife. Ich habe einer Tour teilgenommen, die mich in das Weltkulturerbe des Kakadu Nationalparks gefuehrt hat und anschliessend in den nahegelegenen Litchfield Nationalpark. Um gleich ein mal die Dimensionen in Form von geographischer Groesse des Kakadu Nationalparks zu veranschaulichen: Der Park ist so gross wie Belgien. Demzufolge waren wir an den 3 Tagen viel im 4Rad betriebenen Bus unterwegs, hatten aber trotzdem genuegend Zeit um einen intensiven Eindruck der Parks zu gewinnen.

 

Am ersten Tag wurde ich um 6_30 von meinem Hostel abgeholt. Tourguide fuer die naechsten Tage sollte Nik sein, mit dem ich mich in der Zeit gut anfreundetete. Nik kommt urspruenglich aus der Sydney Gegend, aus den Blue Mountains und ist seit 6 Jahren hier oben im Northern Territory. Haette er es mir nicht gesagt, dass er aus der Gegend kommt, haette ich angenommen, dass er auch hier aus Darwin kommt. Denn er hat eine braune wettergegaerbte Haut und einen starken Ozzie Akzent, vermutlich fuer die ungeuebten Ozzie-Touruists nicht sehr leicht zu verstehen. Nach unserm ersten Gespraech musste ich ihn fragen, ob er ein Surfer ist und mit meiner Annahme habe ich einen Volltreffer gelandet. Die Anzeichen waren aber auch offensichtlich fuer mich. Er hat sein Haar hinten zusammen gebunden und traegt es wohl sonst eher lang und seine gesamte Art hatte etwas sehr surfer typisches. Sehr “hang-loose” drauf und dazu kam, dass er einer der Menschen ist bei denen man das Gefuehl hat, dass wenn er einem eine Frage gestellt hat, dass er im Anschluss schon laengst woanders ist im Kopf, vermutlich traeumend von der besten Welle. Aber er hatte einen tollen Humor, ist sogar mit den Aboriginals verwurzelt und konnte uns so tolle Geschichten erzaehlen in Bezug auf Aboriginal Geschichte. Auch seine generelle Einstellung zu den Aboriginals und deren Geschichte war durchweg positiv und gab einem das Gefuehl, dass er nicht nur Tourguide, sondern auch Botschafter der Aboriginal Kultur war und das machte ihn mir sehr sympatisch.

 

Wir machten eine Tour durch Darwin und luden nach und nach mehr und mehr Leute in den Bus. Durweg gemischte Leute, aber die meisten waren Kurzzeit Touristen. Ausnahme war Victoria aus England, die in Melbourne wohnt und Sebastian ein 18 Jaehriger Koelner, der gerade erst sein Oz Abenteuer gestartet hat und dementsprechend gruen hinter den Ohren war. Ansonsten war noch eine 65(!) jaehrige und sehr vitale Neuseelaenderin dabei, die ebenfalls den Jakobsweg gelaufen ist und das sogar ein Jahr vor mir im Jahre 2011 – also mit 62 – Respekt!

Dann war noch ein deutsch franzoesisches junges Paar dabei, dass seine Hochzeitsreise machte hier. Interessanterweise waren beides Physiker, die sich in Zeuthen (!) bei Berlin kennen und lieben gelernt hatten. Das macht einen doch stolz :-) Ansonsten bunt gemischt, meistens eher junge Leute in ihren 20gern: Kolumbianer, Italiener, Taiwanesen, Kanadier, Kiwis. Insgesamt waren wir 15 Leute glaube ich.

 

Wir fuhren also zuerst in Kakadu Nationalpark. Wir erfuhren von Nik, dass Darwin, dass haerteste Pflaster in ganz Australien ist. Maenner/Frauen Ratio liegt bei 16:1, nirgendwo gibts mehr Kieferschaeden, nirgendwo wird mehr getrunken, nirgendwo gibts mehr Alkoholkranke. Dazu kommt dass in Darwin 150.000 Leute in der Trockensaison wohnen und gerade einmal 50.000 in der Feuchtsaison. Die Suizidrate steigt in der Feuchtsaison steil an und auch die Unfaelle mit Krokodilen, da die Wassermassen den Kroks eine Landinvasion ermoeglichen.

Darwin selber ist auch nicht besonders huebsch. Es gibt eine Hauptstrasse hier, auf der sich alle Hostels befinden. Es ist ziemlich laut abends und eine Partymeile im Ballermann Stil. Besonders traurig ist zu sehen wie junges und altes Volk von Bar zu wankt und auf dem Weg von auf dem Boden sitzenden Aboriginals um Zigaretten angebettelt werden. Auch die Aboriginals haben an dem Abend viel getrunken, haben aber bei weitem nicht so viel Spass wie die Touristen. Solche Szenen haben einen eher missmutigen Blick auf Darwin fuer mich erzeugt.

 

Aber zurueck zur Tour. Auf dem Weg nach Kakadu machten wir einen Stopp an einen Roadhouse, wo wir die beiden Kroks Brutus und Fred beaeugen konnten. Waehrend Brutus ein Salzwasser Krok ist, ist Fred ein Suesswasser Krok und wir lernten dass nur die “Salties” fuer Menschen gefaehrlich sein koennen. Daher: Feuchtsaison bedeutet, dass die “Salties” an Land kommen koennen und das bedeuted viel Gefahr.

Es ging weiter und machten Stopp an einem “Billabong” einem Wasserloch im Outback. Dort machten wir eine Krokodil und Wildlife Tour auf dem Wasser. Viele Krokodile gab es nicht zu sehen, dafuer aber eine reichhaltige Auswahl an schoenen Voegeln, auch ein Wallaby (kleines Kaenguru) beobachtete uns neugierig vom Ufer aus. Wallabies sind ein gern gesehenes Fressen fuer die Krokodile erfahren wir. Denn wenn die Skippys ans Wasser hoppeln um ein wenig zu trinken, dauert es nicht lange, dass eines der Krokodile aus dem Wasser geschossen kommt um sich eines zu schnappen.

 

Nach 3 Stunden Fahrt gelangten wir endlich in den Kakadu Nationalpark und machten Stopp an “Ubirr”. Dort konnten wir “Rockart” von Aboriginals bestaunen, die viele tausend Jahre alt sind. Ein noch eher juengeres Bild zeigt einen weissen Mann, der seine Haende (Anm: in seinen Hosentaschen) verstecken kann. Es bedarf nicht viel Interpretationsvermoegen um erkennen, dass dies ein Warnsignal fuer andere Staemme ist, die an diesem Ort vorbei kommen. Andere Zeichnungen sind Hinweise auf Essen, dass es in der Naehe zu finden gibt wie zb Baramundi Fisch. Nahe der Rockart gab es einen Huegel, den wir erklommen und von dort oben hatten wir einen fantastischen Ausblick ueber den gesamten Nationalpark und sahen alle seine vielen Facetten: weite gruene Suempfe, uralte Steinformationen, weite und sich staendig aendernde Waelder – wunderschoen. Der Park bietet wie wenig vergleichbare Plaetze auf der Welt einen sehr sehr abwechslungsreiche Flora und Fauna. Wir konnten das selbst im Fahrzeug miterleben wie sich die Landschaft bsp vom Sumpf in 5 Minuten in Halbsteppe verwandelte und manchmal war auf der einen Strassenseite Savanne und auf der anderen Gebirge und UEBERALL gab es riesige Termitenhuegel.

 

Nun neigte sich der Tag dem Ende zu und wir erreichten unseren Campground. Wir bauten schnell die Zelte auf und bereiteten unsere Swags fuer die Nacht vor. Wir machten ein Lagerfeuer und bereiteten unser Essen darueber zu. Krokodilfleisch, Wuerstchen, selbstgestampftes Kartoffelpueree und Salat. Dazu gabs australisches Bier, Nik spielte ein wenig auf der Gitarre und alle kamen sich ein bisschen naeher.

 

Der naechste Tag sollte der schoenste der 3 Tagestour werden. Wir standen um 5:30 auf, fruehstueckten und packten zusammen und starteten um 7 Uhr in den Tag. Gleich nachdem wir den Campingplatz verliessen aenderte sich das Terrain. Es ging buchstaeblich ueber Stock und Stein und es musste ab sofort Gebrauch vom 4Rad Antrieb gemacht werden. Ab nun ging es auf direktem Wege in die entlegensten Teile des Parks und ein 4Radantrieb ist ab sofort ein absolutes Muss, denn sonst bleibt man stecken.

 

Spaetestens jetzt bereute ich nicht mehr, dass ich mich fuer eine organisierte Tour entschieden habe und gegen eine selbst geplante mit den paar Maedels, die ich unterwegs kennengelernt habe. Es ging nicht nur ueber extrem sperriges Terrain, sondern tatsaechlich auch direkt durch einen Fluss beherbergt mit Salzwasserkrokodilen. Das Fahrzeug geht buchstaeblich unter Wasser. Nicht auszudenken, wenn ich mit den Maedels unterwegs gewesen waere und wir uns vorher nicht entsprechend versichert haetten, das haette richtig teuer werden koennen mit etwas Unglueck. Und auch die Vorstellung mit dem Wagen womoeglich in dem Fluss mit den Kroks stecken zu bleiben, war mir wahrlich keine schoene…

 

Erster Stopp war eine Wasserquelle mit dem “zweitsaubersten Quellwasser der Welt”. Nik erzehlte uns eine Geschichte dazu, dass er einmal eine Tour leitetete mit einer Ikone der “Raw Food Bewegung”, ein Mensch mit Nachnamen Wolf, der ausserdem einen Saftmixer mit Namen Nutribullet im US Fernsehen oft und gerne bewirbt. Dieser Mr Wolf ist anscheinend ein ganz schoener Freak und war mit seiner 40 Mann Juengerschaft im Kakadu unterwegs. Er hatte ein Geraet dabei, dass die Wassersauberkeit messen kann und dabei ermittelte er anscheinend nicht fuer moeglich gehaltene Traumwerte. Wir alle fuellten unsere Wasserflaschen mit dem Zauberwasser und es schmeckte wirklich SEHR gut. Ich machte in meiner Gruppe kein Geheimnis daraus, dass ich mir nichts schoeners vorstellen koennte, als mit diesem Zeug  ein paar richtig geile Tees zuzubereiten. Leider hatte ich mein Teelabor aber nicht dabei und damit fiel das leider aus.

 

Next Stopp war “Twin Falls”. Auf dem Weg zu eben diesem fuhren wir durch den vorhin erwaehnten Krokodilfluss und gluecklicherweise blieben wir auch nicht stecken.

Uns blieb nun die Wahl laut Nik: Entweder wir gehen nach unten zum Wasserfall, machen eine Bootstour bei der wir fuer 5 Minuten den Wasserfall sehen und die Sache ist beendet oder wir klettern AUF den Wasserfall, schwimmen in den dortigen Wasserbecken und erkunden die Gegend. Selbstredend entschieden wir uns fuer die zeite Moeglichkeit.
Der Aufstieg daurerte eine gute 3/4Stunde und war durchaus fordernd, aber die Belohnung hatte es in sich, fuer mich war es wirklich eine Form von Paradies. Menschenleer und ruhig. Wunderschoene rote Steinformationen auf dem Boden, kristallklares und natuerlich durchaus trinkbares Wasser und ueberall GING was. Kleine Froesche huepften ueberall rum, Kaulquappen schossen durchs Wasser, nie gesehene Insekten transportierten Blaetter von A nach B, Voegel zwitscherten, riesige Haufen zeugten von der Praesenz von Buffalos, es gab Baeume deren Zweige mit Honig gefuellt waren und die man auslutschen konnte, das Wasser war herrlich erfrischend und die Felsen waren warm und behaglich. Die Zeit dort oben war einfach nur herrlich.

 

Dann: Abstieg – zurueck in den Jeep – ab nach Jim Jim Falls. Dem Namen nach ist Jim Jim ebenfalls ein Wasserfall, allerdings wurden wir vorgewarnt, dass er aktuell nur ein wenig plaetschern tut, zu anderen Zeiten im Jahr schaue das anscheinend ganz anders aus. Klettermaessig hatte ich auf dem Weg zu Jim Jim richtig Spass. Wir mussten ueber viele extrem grosse Felsen klettern und springen und ein gutes Mass an Koordination, Konzentration und Koennen war gefordert um nun voran zu kommen. Dank meiner erprobten Wanderstiefel huepfte ich von Stein zu Stein und ich war erstaunt wie unsere Neuseelaenderin hier erneut mitspielte. Selbstredend war sie nicht so schnell wie die juengeren der Truppe, aber trotzdem meisterte sie die Etappe beeindruckend fuer ihr Alter.

 

Jim Jim Falls war klasse! Man muss sich das so vorstellen. Fuer gute 30 Minuten springt man hochkonzentriert und bei 32 Grad von Stein zu Stein und ploetzlich steht man in dieser gewaltigen Ecke. Die Ecke ist geformt von sehr hohen schwarz-roten Steinwaenden, ganz oben drohen kolossale Felsen herunterzufallen. Und in dieser Felsecke befindet sich ein grosses Wasserloch mit dazu gehoerigem Wasserfall. Das Wasser selber ist eiskalt. Die Felswaende sind ca. 200 Meter hoch und das Wasserloch ist MINDESTENS 75 Meter tief. Uns wurde erzaehlt, dass jemand, der vermutlich kein geuebter Schwimmer war, trotz Vorsichtwarnungen in dem Wasser schwimmen war und untergegangen ist. Rettungsversuche waren vergeblich und die erste Bergungsmission war vergebelich, weil das uebliche Tauchequipment nur bis 50 m reicht. Es musste also Tiefseeausruestung verwendet werden. Die wurde daraufhin heran gekarrt aus Darwin und man fand den Toten in eben jenen 75 Metern Tiefe. Laut der Tauchcrew war noch lange kein Ende in Sicht als sie ihr Tauchobjekt fanden und haetten theoretisch noch viel tiefer gehen koennen. Daher ist die Tiefe des Wasserlochs nicht genau bestimmt, nur dass es mindstens 75 Meter sind. Ich habe das Wasser kurz angetestet und erfrischte mich ein wenig, denn es war echt heiss an dem Tag. Auf eine ausgedehnte Schwimmrunde verzichtete ich allerdings.

 

Nach einer schoenen Stunde Aufenthalt gings wieder zurueck zum Wagen und ich lief staunend ueber den Parkplatz, denn selten habe ich so viele Jeeps auf einmal gesehen. Ein “Jurassic Park” Jeep erhaschte ein besonderes Mass Aufmerksamkeit von mir. Wir duesten bzw rumpelten wieder durch den Park und machten uns auf den Rueckweg, denn der naechste Tag sollte komplett dem Litchfield Nationalpark gehoeren. Daher mussten wir jetzt also fuer den Rest des Tages erstmal “Belgien komplett durchqueren”. Nach etwa 3.5 Stunden kamen wir an unserem naechsten Nachtlager an, einem Campingplatz nahe einem Outback Pub. Mittlerweile hatten alle die Campingmechanismen schon gut verinnerlicht, so dass wir zuegig alles aufbauten und auch schnell das Abendessen zusammen zauberten und den Abend wieder bei einem ausgiebigen Lagerfeuer ausklingen liessen.

 

Am naechsten Tag dann also Litchfield. Vorweg kann ich sagen, dass die Natur von Litchfield gleich der von Kakadu fantastisch war, sozusagen eine Form von “Mini-Kakdu”. Auf der anderen fuehren die Umstaende, dass Litchfield NP deutlich naeher bei Darwin liegt und die Tatsache, dass Litchfield komplett mit normalen Autos erreicht werden kann dazu, dass der Park viel mehr frequentiert ist als Kakadu – es sollte wirklich so voll dort sein, dass meine Erfahrung mit Litchfield stark getruebt sein sollte.

 

Wir starteten wieder frueh in den Tag und machten uns um 7 Uhr mit unserem Jeep auf nach Litchfield. Wir kamen frueh an den sogenannten Rock Buly Holes an und waren sogar mit die ersten Gaeste vor Ort. Bei den Holes handelt es sich um kleine MiniWasserfaelle, die sich gut zum Baden eignen. Fuer mich war es noch zu frueh dafuer, daher entschied ich mich ein wenig die Gegend fuer mich allein zu bewandern und sie war wirklich sehr schoen und abwechslungsreich. Habe einige Schmetterlinge gesehen und ein paar Flussbette, die ruhig und still waren. Als ich von meiner Tour zurueckkam traute ich meinen Augen kaum, denn alles war ploetzlich komplett mit Menschen bevoelkert. Es war 10 Uhr morgens und Sonntag, halb Darwin war da hatte ich den Eindruck.

 

Es ging wieder in den Bus und zum naechsten Ort. Und dort gab es wieder einen schoenen Wasserfall zu bestaunen. Bei einem Gang zur Spitze des Wasserfalls kamen wir an einem wild lebendem schwarzen Schwein vorbei. Leut unseres Tourguides sind das die Art Tiere, die einem sehr haeufig hier oben im Northern Territory begegnen. Neben Schweinen laufen einem  auch Wildesel und Wildpferde uber den Weg.

 

Zum Abschluss des Tages gingen wir dann zu den sogenannten Florence Falls. Und das ist wirklich ein paradiesescher Ort. Wie in einer Lagune mixt sich Wasser, mit Steinen und Regenwald – einfach traumhaft. Schade nur, dass dies ein wirklich sehr beliebter Ort ist und demenstrpechend bevoelkert. Ich wollte nicht einmal schwimmen gehen so sehr war mir das zuwider. Die Natur war so schoen und ueberall lagen Bierdosen herum und anderer Muell. Ich erzaehlte Nik davon und er findet es auch schandhaft und dass er regelmaessig mit den anderen Tourguides hier nach dem Wochenende vorbei kommt und hinter den Menschen aufraeumt. Er vertraute mir an, dass dies der Teil der Tour ist, der ihm bei weitem am wenigsten gefaellt. Keine Ueberraschung fuer mich. Aber die Fotos sollten trotzdem zeigen was fuer ein schoener Platz der Erde dies trotz allem war, ist und hoffentlich auch bleibt.

 

Das war auch fast das offizielle Ende der Tour. Nachdem unsere Gruppe mit dem Planschen im Wasserbecken fertig war, gings mit dem Bus zu unserer letzten Station – dem Termitenland.

Nik zeigte uns einen der groessten Termitenhuegel der Umgebung – ganze 8 Meter hoch. Er erklaerte uns viel ueber das Leben der Termiten und dass die Huegel in etwa alle 10 Jahre um 1 m wachsen. Demzufolge war der 8 m hohe Berg und schon ganze 80 Jahre alt. Besonders interessant ist, dass seit der Gruendung immer noch die urspruengliche Termitenkoenigin im Berg residiert und weiterhin fleissig Eier legt. Dies tut sie nur solange in ihrem Gemach eine Temperatur von 30 Grad und etwa 70 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen, nur solange diese Rahmenbedingungen existieren legt sie weiter Eier und garantiert den Fortbestand der Kolonie. Sollte sie ihrem Job nicht mehr nach kommen koennen, weil die Temperaturbedingungen sich geandert haben, stirbt die Kolonie. Demzufolge muessen die Termiten ganze Arbeit leisten um die Temperatur konstant zu halten. Ein Merkmal der Termitenburgen ist, dass sie alle gen Norden ausgerichtet sind um die Temperatur innen konstant kuehl zu halten. Mein Interesse an Termiten wurden durch Niks Erlaeuterungen deutlich gesteigert. Handelt sich bei den Freunden um wahre Wunderarchitekten.

 

Danach gings aber nun wirklich nach Hause und wir wurden nach einer mehrstuendigen Fahrt wieder in Darwin abgesetzt. Mit ein paar der Leute habe ich mich noch ein wenig naeher vernetzt und versprochen im Kontakt zu bleiben. Besonders Tag 1 und 2 werde ich gerne noch lange in Erinnerung behalten, sie haben mir einen tollen Einblick in die Welt des Kakadu Nationalparks gegeben.

 

Categories: Home | Leave a comment

Brechen der Stille – Perth und UnPerth

Hi,

hier nun mal wieder seit langem ein Update von mir.

Es war lange Zeit sehr ruhig gewesen auf dem Curryfreund und das aus dem einfachen Grund. dass auch wirklich nicht viel passiert ist. Ueber einen ganzen Monat war ich in Perth bei meinen Freunden Anika und Cian stationiert. Mein Alltagsleben sah dort folgendermassen aus. Von 12Uhr nachts bis morgens um 6 Uhr habe ich WM geschaut, den Turnierverlauf intensiv verfolgt und unserem Team natuerlich kraefitg die Daumen gedrueckt. Gegen 6 Uhr schlich ich mich dann ins Bett und startete nach dem Schlaf so gegen 12 Uhr in den Tag.
Tagsueber widmete ich dann die meiste Zeit der Entwicklung meiner neuen Homepage: thesilenceintea.com Es handelt sich dabei um ein Teeprojekt, dass ich schon laenger starten wollte, fuer das mir aber immer die noetige Zeit gefehlt hat. Jetzt konnte ich mich zu 100% darauf konzentrieren und nach 4 Wochen stand das Ding und ich bin mit dem Ergebnis auch aeussrst zufireden.

Fuer den objektiven Beobachter passierte also nicht viel bei mir im letzten Monat, aber letztendlich hatte ich Gelegenheit zwei Herzensangelegenheiten mehr oder weniger aktiv nachzukommen: Fussball gucken und meiner Teeleidenschaft nachgehen.

Die letzten 7 Tage andererseits hatten derartig viel zu bieten und hinterliessen derartig praegende Eindrucke in mir, die ich in einem ganzen Monat nicht ansammeln konnte. Und ich freue mich diese Eindruecke in den folgenden Zeilen fuer euch und auch fuer mich nun in aller Fuelle auszufuehren.

Meine Zeit in Perth endete dort wo sie angefangen hatte, am Bahnhof des Indian Pacific Zuges. Anika und Cian brachten mich dorthin und nach herzlicher Verabschiedung war ich nach einem Monat wieder komplett auf mich allein angewiesen. Ich hatte mitllerweile ja schon massig Zugerfahrung durch Australien und wusste daher was mich erwarten wuerde und wie ich mich am Besten darauf vorbereiten sollte. Die evtl schlaueste Anschaffung fuer mich in AU war fuer mich ein kleine Rollkoffer, den ich mir in Perth besorgte. Ich konnte so das Gewicht meines Riesenrucksacks auf 2 Gepaeckstuecke aufteilen und desweiteren den Koffer als Fussstuetze im Zug verwenden – ABSOLUT NOTWENDIG. Denn im Zug gibt es keine Fussstuetzen und ein kleiner Koffer ist in diesem Fall der nuetzlichste Reisebegleiter, den man sich in dieser Situation vorstellen kann.

Die Zugfahrt selber war auesserst angenehm. denn ich hatte die Zweierreihe fuer mich allein und konnte mich demenstprechend breit machen. Kann mich kaum noch erinnern, was ich die meiste Zeit ueber tat, aber die Zeit verging mal wieder ueberraschend schnell. DIe meiste Zeit verbracht ich natuerlich wieder mit Tee trinken und tagtraeumen. Gibt wahrlich schlimmeres als die Zeit so zu verbringen.

In Adelaide kam ich 2 Tage spaeter an, checkte dort in ein mir bekanntes Hostel ein und wurde auch wieder herzlich aufgenommen. In Adelaide selber machte ich nicht viel spannendes, sondern eher zweckgebundene Aktivaeten wie Proviant fuer die Zugfahrt nach Alice Springs am naechsten Tag vorzubereiten, denn in Adelaide sollte ich mich nur fuer eine NAcht aufhalten, um dann schon wieder nach Norden, ins australische Zentrum weiter zu reisen.
Einer Sache allerdings bedurfte es keines Aufschubs und das war das Kleben meiner Brille. Dieser treue Begleiter zerbrach mir naemlich ungluecklich im Bad des Hostels und ich brauchte einige Zeit um mit meiner kleinen Nottube UHU-Alleskleber das Ding wieder zusammen zu basteln. Von dem Ergebnis war ich zum Schluss selber erstaunt – positiv!

Der Hostelbesitzer brachte mich nach einer schlafreichen Nacht in einem richtigen Bett, kein Vergleich zu meinem “Sitzbett” im Zug, netterweise zum Bahnhof und ich checkte relativ unproblematisch mein Gepaeck am Schalter ein – musste etwas umpacken wegen Uebergewicht (dass es bei der Reise mit dem Zug ueberhaput etwas wie Uebergewicht gibt, bei denen meine 1.5kg DEN Unterschied ausmachen, fand ich, wie ich mein zu Recht, sehr humoristisch).

Die Fahrt von Adelaide nach Alice Springs war fantastisch – mit einer Ausnahme.
(Fuer die Story bei der ich mit dem Kontrolleur wegen einer fehlenden Steckdose aneinandergeriet bitte HIER klicken.)

Auch in diesem Zug hatte ich wieder 2 Sitze fuer mich gluecklicherweise. Die Fahrt war relativ kurz gemessen an anderen Fahrten und sollte nur 24 Stunden dauern. Stopps gabs nicht viele auf dem Weg. Richtig toll wurde es nach der Nacht im Zug. Denn wir verliessen Adelaide gegen Mittag und die ersten Stunden cruisten wir durch die Vororte von Adelaide mit nicht unbedingt erstaunlichen Landschaften, dann wurde es gegen 17 Uhr dunkel und man sah schliesslich gar nichts mehr. Gegen Sonnenaufgang wachte ich dann auf und blinzelte durchs Fenster und dann ging mein Herz auf:

ein weiter Horizont, in der Ferne das rote Leuchten der aufgehenden Sonne; verdorrte, verknoecherte Baeume, IMMER-ROTE ERDE, unzeahlige kleine Bodenpfleanzchen (Spinifex). Obwohl die Welt draussen vom Morgengrauen noch stark gekennzeichnet war, konnte ich die durchs ganze Jahr durchgehende Dauerhitze aus der Landschaft heraus lesen.
Das schoene fuer mich war mein Aufwachen in einer komplett anderen Landschaft im Vergleich zum Vortag und bei der Landschafte handelte es sich um das so stereotype Outback, dass ich mir schon so lange zu sehen gewuenscht hatte. Es war wunderschoen.

Und daher verging die Zeit bis nach Alice Springs fuer mich auch dementsprechend schnell, denn die naechsten 3 Stunden machte ich nichts anderes, als die sich staendig aendernde Landschaft aus dem Fenster zu beobachten. Mal gab es draussen fast blanke Wueste bzw leere Steppe zu sehen, dann folgten wieder kleine MiniWaelder bestehend aus der Hitze angepassten spaerlichen Baeumen und dann gab es sogar zwischendurch richtig gruene Flaechen, die man so nicht erwartet haette. Ich werde ein paar Fotos als Eindruecke hier mal reinstellen.

Und dann die Ankunft in Alice Springs. Am Bahnhof wartete eine beachtliche Statue eines Kamels. Denn Kamele waren vor der Fertigstellung der Zuglinie Adelaide-Alice Springs fuer 50 Jahre lang DAS Transportmittel in dem menschenfeindlichen Zentrum Australiens.

Am Bahnhof wurde ich vom Bus meines Hostels abgeholt und in meine neue provisorische Heimat kutschiert.

Alice Springs ist nicht wirklich gross, gerade einmal so um die 24.000 Menschen leben in ihr. Trotzdem ist sie damit schon die drittgroesste Stadt des Staates des Northern Territory of Australia. Noch viel erstaunlicher ist, dass auf die Gesamtbevoelkerung der Stadt ganze 500(!) Polizisten kommen – das sind knapp 2%. Auf die Frage warum das so sei, wurde uns von meinem Tourguide der naechsten Tage nur gesagt: “Weil soviele gebracht werden”.

Aus diesen Zahlen laesst sich erkennen, dass die Welt in Alice bei Weitem nicht in Ordnung ist. Es gibt leider viele Probleme mit Aboriginals, die mit dem Alkohol, der ihen vom weissen Mann vor nicht allzu langer Zeit ungluecklicherweise nahe gebracht wurde, nicht zurecht kommen. Das resultiert in leider haeufig asozialem Verhalten. Es ist eine traurtige Geschichte mit den Aboriginals. In ihren Gesichtern las ich haeufig Trauer und Frustration. Seit meiner Zeit hier in Australien konnte ich viele Erfahrung machen in Bezug auf das Verhaeltnis von Aboriginals zu Australien und sie sind leider zumeist alle sehr trauriger Natur. Ich koennte sehr viel dazu schreiben, will aber an dieser Stelle darauf verzichten.

Das Hostel in dem ich unterkommen sollte, war echt ganz nett und ich kam in das gleiche Zimmer einer Bekanntschaft aus dem Zug. Vicky aus Taiwan. Selbstredend ist Vicky nicht ihr richtiger Name, aber fuer die Vereinfachung fuer die Kommunikation nehmen Asiaten haeufig einen zweiten “westlichen” Vornamen an. Auch wenn Vicky eher der schuechternen Sorte Mensch angehoert, freundete ich mich mit ihr naeher an in den naechsten Tagen und fand ihre Art ziemlich cool. Nateurlich musste ich mit ihr ueber Tee reden, denn aus Taiwan kommt FANTASTISCHER Oolong Tee.

Mit Vicky machte ich nach unserer Ankunft im Hostel einen kleinen Stadtrundgang, einige Besorgungen und erklimmten dann noch den Stadtberg, von dem aus uns ein schoener Ausblick ueber die Stadt bot.

Zurueck im Hostel gingen wir dann auch frueh schlafen, denn am naechsten Tag sollten wir um kurz vor 6 Uhr morgens von unserem Tourbus abgeholt werden. Das Programm der naechsten Tage sollte es in sich haben: Fahrt zum Uluru, dann zu Kata Tutja und dann zum Kings Canyon. Was das naeher bedeutet gibt es im naechsten Blogeintrag zu lesen.

FOTOS FOLGEN

Categories: Home | Leave a comment